Kritiken zu "Tatort: Einmal täglich"


Der Spiegel:

"... Die schärfsten Kritiker der Elche", kalauerte einst der Humorist F. W. Bernstein, "waren früher selber welche.' Bernsteins Elchtest hat jetzt der Drehbuchschreiber Markus Stromiedel mit Auszeichnung bestanden..."

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Frankfurter Rundschau:

"All das klingt, als hätte sich jemand den Frust von der Seele geschrieben und seine Vergangenheit aufgearbeitet. Vielleicht ist da sogar was dran..."

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epd-Medien:

"...schließlich war ja der Drehbuchautor dieses "Tatort" - Markus Stromiedel - jahrelang an der dramaturgischen Entwicklung des "Marienhof" beteiligt, kennt also die Rück- und Vorderseite des Milieus genau. Und hat diese Welt aus Gift und Pappe mit so viel Witz und Bosheit karikiert, dass wieder einmal bewiesen wurde: an regionalem Charme, an Fantasie und Unterhaltsamkeit ist der Münchner "Tatort" kaum zu übertreffen..."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung:

"...Daß sich Tote auf Quote reimt - selten wurde diese Weisheit so beim Wort genommen wie in diesem Fall von Drehbuchautor Markus StromiedeI, der bisher selbst Serien schrieb und hier sichtlich vergnügt vorführte, wie zynisch die Truppe von "Total das Leben" mit dem Tod des Hauptdarstellers die Einschaltquote stimuliert..."

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Rheinische Post:

"... Kritik und Satire blieben dabei unaufdringlich, lakonisch, köstlich ..."

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Münchner Merkur:

"...Ein leicht (selbst-)ironischer Blick hinter die Kulissen der Branche, ein raffiniertes Spiel mit den verschiedenen Ebenen der Fiktion..."

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Bild:

"Klasse Krimi!"

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Tatort:

"Die schärfsten Kritiker der Elche", kalauerte einst der Humorist F. W. Bernstein, "waren früher selber welche." Bernsteins Elchtest hat jetzt der Drehbuchschreiber Markus Stromiedel mit Auszeichnung bestanden: Stromiedel, der jahrelang in verantwortlicher Position so genannte Daily Soaps verbrochen hatte ("Marienhof", "Geliebte Schwestern"), durfte nun seine Erfahrungen mit der TV-Seifenbranche für die neue "Tatort"-Folge des Bayerischen Rundfunks ausschlachten. "Einmal täglich" spielt am Set einer Billigserie, deren Hauptdarsteller eines Morgens mit zerschmettertem Schädel in der Kulisse liegt. Wer war's?, fragen sich die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl); wie soll die Serie jetzt weitergehen?, fragt sich der Soap-Produzent. Zum Glück nehmen Autor Stromiedel und Regisseur Peter Fratzscher diese Fragen nicht allzu ernst, und das Ergebnis gibt ihnen Recht: eine überwiegend gelungene Mischung aus Groteske und Krimi. Sogar Volksmusikant Karl Moik hat hier endlich seine Bestimmung gefunden: Er spielt einen Gerichtsmediziner.

aus: Der Spiegel, Nr 43/2000 vom 23. Oktober 2000

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Kräftige Portion Selbstironie

Von Tilman P. Gangloff

Die Dialoge klingen künstlich, die Darsteller sind ungelenk, und die Kulissen riechen förmlich nach Pappmaché: Keine Frage, dieser Tatort beginnt wie eine Daily Soap. Doch der Gag ist ein "Film im Film": Die ersten Bilder des Krimis stammen aus der (fiktiven) täglichen Serie Total das Leben. Ähnlichkeiten mit Dauerbrennern wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten sind keineswegs zufällig, wie schon allein die illustren Figuren beweisen. Die Darstellerin des Serienbiestes ist auch privat intrigant, der Produzent längst pleite, die Redakteurin vom ausstrahlenden Sender "Top TV" eine unfähige, aber ehrgeizige Quotenzicke, und der TV-Sender zahlt nicht.
 
All das wird nur noch übertroffen von der Dame für die Öffentlichkeitsarbeit, die skrupellos im Hintergrund die Fäden zieht. Zu ihrem Handwerkszeug gehört fingierte Fanpost ebenso wie Erpressung. Kurz und gut: Wer Daily Soaps von Herzen nicht ausstehen kann, der ist bei dem neuen Tatort am Sonntag aus München genau richtig.
 
Kein Wunder, dass der eigentliche Fall irgendwann fast zweitrangig wird. Das Zugpferd der Serie ist am Set ermordet worden. Verdächtig ist so gut wie jeder, von den eifersüchtigen Kollegen bis zu den hysterischen Fans. Repräsentanten all jener Tatort-Zuschauer, die Serien wie Verbotene Liebe ihren halbwüchsigen Töchtern überlassen, sind die Kommissare Leitmayr und Batic (Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec), die vom Kollegen Carlo (Michael Fitz) erstmal Nachhilfe bekommen. Weil die beiden skeptischen Polizisten aber trotz Carlos Enthusiasmus keine Soap-Fans werden, sorgen sie auch weiterhin für viele boshafte Seitenhiebe auf das Teenie-Genre.
 
All das klingt, als hätte sich jemand den Frust von der Seele geschrieben und seine Vergangenheit aufgearbeitet. Vielleicht ist da sogar was dran: Autor Markus StromiedeI war früher mal als Stoffentwickler für die Daily Soap Marienhof tätig. Andererseits ist Marienhof ebenso wie dieser Tatort eine Produktion der Münchener Bavaria, auf deren Gelände der Film entstanden ist. Doch selbst wenn der Sender "Top TV" selbstredend ein kommerzieller ist: Es ist also auf jeden Fall eine kräftige Portion Selbstironie im Spiel.
 
Das gilt natürlich nicht weniger für die winzige Gastrolle von Karl Moik als launiger Leichenbeschauer ("Wir müssen alle mal gehen"). In Bestform sind auch Wachtveitl und Nemec, die dank Stromiedel mit Pointen nur so um sich werfen dürfen; Regisseur Peter Fratzscher sorgt aber dafür, dass auch dieser Tatort bei aller Freude an der medialen Selbstreferenzialität in erster Linie Krimi bleibt.

aus: Frankfurter Rundschau, 28. Oktober 2000

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Die Droge im Wohnzimmer

Von Sybille Simon-Zülch

Mord auf dem Set einer Daily Soap: Der attraktive junge Hauptdarsteller Peter Burkhardt, Schwarm aller Mädchen zwischen Kinderzimmer und Seniorenheim, liegt tot in den Kulissen der Seifenoper "Total das Leben". Tatsächlich sind es die Kulissen der total echten Scheinwelt "Marienhof", denn die Bavaria, die diesen "Tatort" produzierte, produziert auch den "Marienhof" - bedankt sich im Abspann also quasi bei sich selbst für die Bereitstellung der Kulissen.
 
Aber damit noch nicht genug der total durchtriebenen Verweise auf den real existierenden "Marienhof": In der schneidigen Pressereferentin von" Total das Leben", Felicitas Sassner, erkennt der "Marienhof"-erfahrene Zuschauer dieselbe Schauspielerin - Leonore Capell -, die dort als lesbische Andrea Süßkind um ihre erotisch wankelmütige Geliebte Billi buhlt. Und schließlich war ja der Drehbuchautor dieses "Tatort" - Markus Stromiedel - jahrelang an der dramaturgischen Entwicklung des "Marienhof" beteiligt, kennt also die Rück- und Vorderseite des Milieus genau. Und hat diese Welt aus Gift und Pappe mit so viel Witz und Bosheit karikiert, dass wieder einmal bewiesen wurde: an regionalem Charme, an Fantasie und Unterhaltsamkeit ist der Münchner "Tatort" kaum zu übertreffen.
 
Der ideologische Riss geht mitten durch das Kommissar-Trio: Dem, wie so häufig, emotional engagierten Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind die "niveaulosen Seifenopern" zutiefst verhasst. Er schwört auf "Kultur": die drei Tenöre, deren "O sole mio" immer wieder auf der Tonspur knödelt. Carlo Menzinger (Michael Fitz) ist süchtig nach "Total das Leben", schaut heimlich im Büro und kennt sich bestens aus in dieser Welt. Leitmayr (Udo Wachtveitl) steht irgendwo dazwischen, spöttelt nach beiden Seiten und findet den Unterschied zwischen dem "Kult" der Daily Soap und Batics "Kultur" der "Hitparadenklassik" nicht allzu groß.
 
Das ist schön offen konstruiert, denn diese Positionen integrieren die Haltungen, die man zu Daily Soaps einnehmen kann, und spielen sie bis zum Ende nicht gegeneinander aus. Das gilt auch für die Darstellung des Milieus und das der Fans: Es wird ausgeteilt nach bei den Richtungen, aber Peter Fratzschers präzise Regie und die entspannte Komik der Darsteller vermeiden jedes gehässige Denunzieren der Figuren. Und man begreift sogar, ganz nebenbei, dass eine Zicke wie Vera (Sandra Leonhard), das "Biest" der Soap, auch im realen Leben zum Biest geworden ist, weil sie als "Hassfigur" nicht angehimmelt wird und nach drei Jahren täglich gespielter Biestigkeit zwischen Rolle und Leben kaum noch unterscheiden kann.
 
Und um das Changieren zwischen realer und fiktiver Welt geht es in fast jeder Szene dieses "Tatort": für die Kommissare, die Fan-Magazine lesen, um sich über das Leben des toten Serienstars kundig zu machen; für die 14-jährige Bettina (Luise Helm), die ihr eigenes Zimmer genauso eingerichtet hat wie das Kulissen-Zimmer ihres Angehimmelten; für Bettinas Mutter (Iris Böhm), die Artikel für die Fanclub-Zeitung schreibt und eine sexuelle Affäre mit dem von ihrer Tochter Angehimmelten hatte, und, ganz besonders, für die direkt Beteiligten an der Produktion, die auf den echten Tod des Hauptdarstellers mit einem Ankurbeln der Fiktionsmaschine reagieren: ein "Brainstorming" des Drehbuch-Teams, das Burkhardts Tod als kreativen Schub willkommen heißt und eine "schöne, große Emotion" mit "gut motivierter Todesart" für den Verblichenen diskutiert.
 
Aber am Ende war es dann doch ein krudes ökonomisches Motiv, das den hoch verschuldeten Produzenten (Alexander Duda) zum Mörder machte: Sein Star hatte seine eigene Firma gegründet und wäre mit einer eigenen Soap zum Konkurrenten der ohnehin schon quotenschwachen Serie geworden. Und während der Mörder-Produzent gesteht, stoßen im Nebenzimmer seine früheren Mitarbeiterinnen - mit einer unschönen, großen Emotion - auf ihre neue Firma an. "' Total das Leben"', belehrt Bettinas Mutter den Kommissar Leitmayr, "ist wie eine Droge, aber man muss mindestens fünf Folgen durchhalten." Bei einem "Tatort" wie diesem geht es schneller. Schon einer reicht, um bis zum nächsten Coup aus Silvia Kollers Redaktion leichte Entzugserscheinungen zu spüren.

aus: epd-Medien Nr. 88, 4. November 2000

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Im Land des Vorabendlächelns

Von Silke Scheuermann

Was bringt den Zuschauer dazu, an den schlichten Helden der Daily Soaps Gefallen zu finden? Was läßt ihn gemeinsam mit dem attraktiven Oberarzt um das Leben der schwerkranken Blondine bangen; was muß der dem Biest zusehen, das schon über Folgen hinweg immer nur böse, böse, böse ist? Es ist das Eingeweihtsein, das ihn missioniert. Der Zuschauer der Daily Soap ist ein Jünger. Er war schon dabei, als der Jüngling in der Retorte geboren wurde; er hat jede Karriere, jedes Stadium der Verliebtheit von Anbeginn im Visier gehabt. Er weiß, daß der Freund seiner Geliebten zwar versprochen hat, ihr im Koma notfalls alle Stecker rauszuziehen, es aber ganz be- stimmt nicht übers Herz bringen wird. Und daß die Komapatientin trotzdem verdammt schlechte Chancen hat, weil eine Arzthelferin sie nicht leiden kann. Dranbleiben ist die Devise; denn nur, wer keine Folge verpaßt, gehört dazu.
 
Das gilt auch für die Serie "Total das Leben". Hier kennen die mehr oder weniger jungen Mädchen jede Vorliebe, jeden wunden Punkt von Peter, dem feschen Star der Serie. Deshalb gehen sie zu den Fantreffen, ~..:Fragen des Plots auszudiskutieren, und staffieren ihr Zimmer genauso aus, wie die Bettstatt des Idols im Fernsehen arrangiert ist. Zum Glück, finden die Mütter, ist Peter ein gutes Vorbild. Der ambitionierte Jurist ist fleißig, nimmt keine Drogen und beweist praktisch in jeder Dreiundzwanzig-Minuten-Folge, daß er sich das Penthaus allein durch moralisches Handeln und Nachtarbeit verdient hat. Und die Produzenten, Drehbuchautoren und Redakteurinnen, die hinter alldem stecken, wissen, wieso sich das derart verhält: Soap hat mit Seife nicht nur den täglichen Gebrauch gemeinsam - Seife darf in jedem Fall auch nicht schmutzig aussehen.
 
Aber die Kommissare aus München sind Neulinge im Land des Vorabendlächelns, und sie müssen noch viel lernen. "Gut, ich sehe mir das mal an", seufzt Kriminalhauptkommissar Leitrnayr (Udo Wachtveitl), der mit Kollege Batic (Miroslav Nemec) im Millieu der Seriendarsteller ermittelt, weil Peter auf einmal tot in der Kulisse lag - und zwar so schön drapiert wie sonst nur im fiktionalen Leben, mit zwei Champagnerkelchen am Bett, damit es aussah wie ein Unfall bei der Dusche vor dem Stelldichein. "Eine Folge reicht nicht. Sie müssen sich mindestens fünf Folgen ansehen", rät die hübsche Mutter des soeben am Tatort aufgegriffenen Teenagerfräuleins. Sie muß es wissen, denn sie ist vom Fanvirus infiziert wie ihre Tochter. Daß im Umfeld der Soap-Opera-Produktion gefährliche Unordnung herrscht, zeigen schon die unübersichtlichen Räumlichkeiten. Labyrinthisch wirken die Studiohallen bereits überirdisch, da macht es die Sache nicht einfacher, daß die Fans wissen, wie gut man durch die Heizungskeller in die Kulissen gelangen kann, ergo auch zum Fundort der Leiche in Halle sechs. Leitmayr muß erkennen: "Es könnte jeder gewesen sein."
 
Die Stärke des Münchner Tatorts "Ein mal täglich" am Sonntag war denn auch, wie langsam und gründlich alle verdächtig gemacht wurden: von der biestigen Total-das-Leben-Schauspielerin Vera Niessen (Sandra Leonhard) über den homosexuellen Serienneuling (Dennis Grabosch) bis hin zur ambitionierten PR-Dame (Leonore CapelI). Die Selbstreflexität der Fernsehen-im-Fernsehen-Dramaturgie machte die Sache zusätzlich reizvoll. Daß sich Tote auf Quote reimt - selten wurde diese Weisheit so beim Wort genommen wie in diesem Fall von Drehbuchautor Markus StromiedeI, der bisher selbst Serien schrieb und hier sichtlich vergnügt vorführte, wie zynisch die Truppe von "Total das Leben" mit dem Tod des Hauptdarstellers die Einschaltquote stimuliert. Die Ermittler erlebten die seichte Wirklichkeit um die seichte Fiktion und konnte nur staunen: Da kreischen Fans, ziehen Stars aus Eitelkeit nicht mal die Kontaktlinsen an und bestellt die Assistentin für den unmotivierten Darsteller fünfzig Fanpostbriefe.
 
Zusammen ergab das einen ansehnlichen Kriminalfilm, der die Serienwelt immer wieder aufs neue beschrieb und dabei durch gekonnt gesetzte Kontrastszenen die Illusion nährte, die ganze Wirklichkeit, das ganze Spektrum der Emotion werde durchmessen, obwohl man doch immer im Rahmen leichter Abendunterhaltung blieb. Der Regisseur Peter Fratzscher fand anregende Einzelbilder, die das Geschehen so sehr in den Hintergrund drängten, daß die marginale "Tatort"-Handlung nicht weiter auffiel. Allzu ansprechend war die Milieuschilderung, allzu poppig die Serienmusik. Gekonnt spielten die Schauspieler, die die Darsteller mimten, mit dem Reiz der Verdopplung: Bei den Verhören verzweifelten die Ermittler daran, daß Pose und Position kaum zu trennen waren. Inmitten aller Turbulenzen hätten Leitmayr und Batic beinahe übersehen, daß der Produzent seinem Star Peter die Abwanderungspläne wirklich sehr übelnahm. Aber nur beinahe.

aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Oktober 2000

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Als Krimi eine Katastrophe

Von Jens Voss

Es gehört schon, Mut dazu, als Großmeister der Volksmusik in einem Krimi den Pathologen zu geben und sich ohne Klatschmarsch einfach so neben eine Leiche zu stellen. Karl Moik hat's getan und dafür gebührt im Lob und Preis, zumal er über die Leiche sagte: "Schöner Mann, Attraktiv. Schauspieler. Aber wir müssen alle einmal gehen," Womit Moik wunderbar leicht zwei wichtige Elemente der Volksmusik eingebracht hat: Sex (hübsche Dirndl, fesche Buam) und Weisheit (Wir müssen alle, . .). Dieser "Tatort" war als Krimi eine Katastrophe, aber als Fingerübung in Sachen (Selbst)-Ironie ein Glanzstück. Die Handlung - Mord am Star einer Daily Soap - war purer Vorwand für ein Netz aus Anspielungen, Seitenhieben und Irritationen darüber, was den Rang von Klassizität innehat (Oper, Gene Kelly, Die drei Musketiere) und was wie Zuckerwatte ist: süß, flüchtig, schlecht für die Zähne (Serien, Starkult, Quotenhammer). Und dann konnte man diesen Satz hören: "Regie führen bei einer Daily Soap bedeutet hauptsächlich Schadensbegrenzung." Oder dieses Wort: "Sauviech" (für einen unbotmäßigen, aber netten Hund). Oder Drehbuchschreibern zusehen, die ihre Hauptfigur zu Tode kommen lassen müssen: "Drogentod, Schädelhirn-Trauma, Genickbruch - hatten wir schon alles." Kritik und Satire blieben dabei unaufdringlich, lakonisch, köstlich. Der (Krimi-)Rest war Langeweile.

aus: Rheinische Post, 31. Oktober 2000

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Kein Platz für echte Gefühle

Von Rudolf Ogiermann

Die Täuschung war perfekt und perfide zugleich. Mit einer Sequenz aus einer "Daily Soap" begann der jüngste Münchener "Tatort" (ARD). Dass die dramatische Sterbehilfeszene nur gespielt war, wurde erst zweifelsfrei klar, als einer der Darsteller unglücklich stolperte und der Regisseur entnervt "Aus!" rief.
 
Im Milieu des Fast-Food-Fernsehens war die Handlung von "Einmal täglich" angesiedelt, in der es um den Mord an einem beliebten Serienstar geht. Ein leicht (selbst-)ironischer Blick hinter die Kulissen der Branche, ein raffiniertes Spiel mit den verschiedenen Ebenen der Fiktion, in dem das Kommissarsduo Batic und Leitmayr (Miro Nemec und Udo Wachtveitl) sehr real wirkten.
 
Autor Markus Stromiedel zeichnete mit groben Strichen das Bild einer verlogenen, intriganten Welt, in der die Quote über die Qualität triumphiert, in der frustrierte Mitarbeiter ein Produkt herstellen (zynischer Titel: "Total das Leben"), für das sie keine Sympathie empfinden. Umso bizarrer das Schicksal eines Mädchens, das als Rivalin der eigenen Mutter um die Gunst des spätere Gemeuchelten buhlt. In diesem Tableau des (un-)schönen Scheins gelangen Regisseur Peter Fratzscher viele bunte Tupfer. Das Biest aus der Serie ist auch in Wirklichkeit eines, Kollege Menzinger (Michael Fitz) lässt sich als Kleindarsteller anwerben - und Karl Moik gibt einen Gerichtsmediziner. Dass auch insgesamt kräftig chargiert wurde, war wohl Absicht. Der Krimi als bitterböser Zeitgeistkommentar - für echte Gefühle war da kein Platz.

Aus: Münchner Merkur, 31. Oktober 2000

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Tatort: Einmal täglich

Leitmayr und Batic geraten in die Welt der Soap-Operas. TV-Sternchen Peter Burkhardt liegt tot in der Studiodekoration. Die Kollegen bleiben kühl. Nur die weibliche Fan-Gemeinde trauert. Die beiden Cops finden viel Dreck hinter den Kulissen. - Klasse Krimi!

aus: Bild, 28. Oktober 2000

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