Kritiken zu "Tatort: Hexentanz"


Stern TV-Magazin:

"Drehbuchautor Markus Stromiedel und Regisseur René Heisig wagen mit diesem Tatort einiges, denn um düsteren Voodookult um ein niedersächsisches Kuhdorf glaubhaft unter einen Hut zu bringen, braucht es schon ein wenig Fingerspitzengefühl. Dennoch, die Rechnung geht auf?"

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Westfälische Rundschau:

"Der Tatort 'Hexentanz' ist (...) ein Krimi, den man nicht so schnell vergessen wird..."

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Kompress TV-Pressedienst:

"Der Film (?) ist ebenso verblüffend wie fesselnd bis zum Schluss?"

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NRZ:

"?die Episode (war) dicht und packend erzählt, das Dorfmilieu mit seinen ureigenen Regeln und Typen war treffend geschildert?"

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Neue Osnabrücker Zeitung:

"Dabei entfaltet der Film auf den Zuschauer eine ähnliche Wirkung wie ein unbedachter Ausflug ins Teufelsmoor. Man wird immer tiefer hineingezogen und kann sich schon bald aus eigener Kraft nicht mehr lösen. Zu den Höhepunkten zählen dabei die Dialoge zwischen den Schauspielerinnen Furtwängler und Potthoff, die dem Krimi klar ihren Stempel aufdrücken ?"

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TV Spielfilm:

"Fazit: Sehr authentisch, tragisch und düster."

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Oldenburgische Volkszeitung:

"Am Sonntag gilt: Ein "Hexentanz" lohnt sich."

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Tagestipp - "Blair Witch Project" im Teufelsmoor

Brennende Pentagramme, bizarr verrenkte Strohpuppen, ein Windspiel aus Hühnerknochen: Wer hätte gedacht, dass sich ausgerechnet in einem kleinen Dorf bei Worpswede soviel Okkultismus ballt? Am wenigsten wohl die bodenständige Kommissarin Charlotte Lindholm (Furtwängler), denn der Fall, der sie in die norddeutsche Provinz führt, wirkt durchaus wie ein Mord von Menschenhand.
 
Werner Hellmann, erst vor kurzem aus langjähriger Haft entlassen und in seine Heimat zurückgekehrt, wird erschlagen in seinem Haus aufgefunden. Vor Jahren war ihm auf grund von Zeugenaussagen der Tod seiner Frau Anna angelastet worden. Doch im Zuge der Ermittlungen kommen Lindholm immer mehr Zweifel an der Schuld des ehemaligen Häftlings. Spätestens als sie erfährt, dass Anna Hellmann bei den Einheimischen als Hexe verschrien war, wird der Kommissarin klar, dass die eingeschworene Dorfgemeinschaft eine Menge zu verbergen hat. Von der patenten Ermittlerin türmt sich ein Berg von offenen Fragen auf: Warum wird die geistig verwirrte Erika vor ihr versteckt gehalten? Weshalb gehen sich ihr Tierarzt Grote und Gastwirt Bergstedt so offensichtlich aus dem Weg? Und was haben die allgegenwärtigen Hinweise auf Satanismus und Hexerei zu bedeuten?
 
Drehbuchautor Markus Stromiedel und Regisseur René Heisig wagen mit diesem Tatort einiges, denn um düsteren Voodookult um ein niedersächsisches Kuhdorf glaubhaft unter einen Hut zu bringen, braucht es schon ein wenig Fingerspitzengefühl. Dennoch, die Rechnung geht auf. Das ist nicht zuletzt den mit u.a. Karl Kranzkowski, Swetlana Schönfeld, Monika Hansen und Theresa Harder durchweg außergewöhnlich stark besetzten Rollen der Dorfbewohner zu verdanken.

aus: Stern TV-Magazin 16/03, 10. April 2003

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Ein Dorf deckt einen Mörder

Von Rainer Tittelbach

Der Himmel hängt tief über der niedersächsischen Pampa, Schwermut drückt auf die Seelen - aber auch ein lange zurückliegender Mord. Offenbar musste ein Unschuldiger büßen. Der ist nun ebenfalls tot - auch ermordet. Ein Dorf würde gerne zur Tagesordnung übergehen. Doch die engagierte LKA-Frau Charlotte Lindholm hat etwas dagegen.
 
Maria Furtwängler verschlägt es auch in ihrem zweiten Einsatz als "Tatort"-Kommissarin aufs norddeutsche Land. "Lastrumer Mischung", ihr Einstand genau vor einem Jahr, war mit 10,22 Millionen Zuschauern der quotenstärkste Fernsehfilm des Jahres. Der Tatort "Hexentanz" ist ebenfalls ein Krimi, den man nicht so schnell vergessen wird.
 
Ein Dorf versinkt in Nebel, Moor und Gewissenlosigkeit. Die Bewohner eint eine gemeinsame Verdrängung. Haben die Männer oder die Frauen einst einen Kollektivmord an einer schönen Hippie-Frau begangen? Oder deckt das Dorf, in dem noch Aberglaube spukt, einen Mörder?
 
"Dorfkrimis sind einfach komplexer", bringt Regisseur Rene Heisig ("Vier Meerjungfrauen") das Besondere an dieser Art Krimi auf den Punkt. "Die Geschichte jeder Gestalt muss bei ,Hexentanz' konsequent erzählt werden." Trotz räumlicher Enge - "die Reduktion auf einen Schauplatz und sechs bis acht Figuren 'wirkt mehr bereichernd als einengend", so Heisig.
 
Vor allem, was die Stimmung angeht, ist dieser "Tatort", der als Dorf-Drama beginnt und sich zur Familien Tragödie auswächst, außergewöhnlich. Viele nicht so bekannte Gesichter steigern die Glaubwürdigkeit. Ingo Naujoks als platonisch liebender Freund der Heldin sorgt für etwas Ironie und Augenzwinkern. Und Maria Furtwängler ist einfach gut als kühle, aber natürliche Blonde, die mal schnippisch, mal direkt und mal ein bisschen wie "Columbo" sein kann.

aus: Westfälische Rundschau, 12. April 2003

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Hexentanz im Teufelmoor

Von Klaus Braeuer

Vor genau einem Jahr gab es Freudentänze bei der ARD, denn der erste Tatort aus Hannover ("Lastrumer Mischung") erreichte über zehn Millionen Zuschauer, was 2002 die höchste Einschaltquote für einen TV-Film bedeutete. Nun folgt der zweite Fall "Hexentanz": Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) wird diesmal durch einen Mordfall in ein Dorf verschlagen, dessen Bewohner auf undurchsichtige Weise in einen weiteren, weit zurückliegenden Mord verstrickt sind. Werner Hellmann wurde vor 13 Jahren wegen Mordes an seiner Frau verurteilt, kehrt nun zurück - und wird prompt erschlagen. Die Dorfbewohner sind nicht gerade gesprächig - auch die zwielichtige Kassiererin Lisbeth Struck (Teresa Harder) nicht, deren Aussage seinerzeit einer der Hauptbelastungspunkte gegen den vermeintlichen Mörder war. Hellmanns Tochter Kirsten (Lisa Maria Potthoff) berichtet der blonden Ermittlerin, ihre Mutter Anna sei im Dorf wegen ihrer freizügigen Ansichten als Hexe verschrien gewesen. Auch der Gastwirt Matthias Bergstedt (Michael Kind) und Lisbeths geistig verwirrte und Vogelfutter knabbernde Schwester Erika (Monika Hansen) können oder wollen sich an nichts mehr erinnern. Frau Lindholm ist froh, als ihr Mitbewohner Martin Felser (Ingo Naujoks) auftaucht und ihr beisteht.
 
Der Film von Rene Heisig ("Geht nicht gibt's nicht") nach dem Drehbuch von Markus Stromiedel ist ebenso verblüffend wie fesselnd bis zum Schluss, denn die Bewohner eines kleinen Dorfes im Teufelsmoor verschleiern gemeinsam einen grausamen Mord, ohne zu wissen, wer von ihnen tatsächlich der Mörder ist. "Die glauben natürlich nicht alle an Hexen", sagt Heisig. "Man sieht zwar Hexensymbole an den Häusern, doch das ist nicht gleich richtiger Hexenglaube. Aber einen gewissen Aberglauben gibt es auf solchen Dörfern sicher noch - und nicht nur da."
 
Autor Stromiedel ("Stahlnetz", "Stubbe") hat den Krimi vorab im Gemeindesaal des Dorfes Mayenburg am Rande des Teufelsmoores bei Bremen gezeigt. "Es war ein spannender Abend", findet er. "Die Bewohner von Mayenburg sind wahnsinnig mitgegangen mit dem Film, mit Zwischenrufen, Kommentaren - und beim Bier in der Dorfkneipe wurde alles bis ins Detail durchdiskutiert. "
 
Das können die Zuschauer nun auch - und sie können sogar nachlesen, wie die Geschichte eines Filmplots sich im Laufe der Arbeit an einem Drehbuch verändert und entwickelt. Unter der Internetadresse "www.stromiedel.de" hat der Autor alles Wissenswerte zusammengestellt. Über Freudentänze freut er sich bestimmt.

aus: Kompress TV-Pressedienst, April 2003

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TV-Kritik

Von Ingrid Janssen

Die Konstellation erinnerte stark an Charlotte Lindholms (Maria Furtwängler) letzten Fall: Wieder führte ein Verbrechen die Polizistin in die tiefste Provinz, wieder hatte sich eine Dorfgemeinschaft gegen einen Neuling verschworen, wieder tauchte Freund Martin (lngo Naujocks) rein zufällig am Tatort auf und lieferte die entscheidenden Hinweise. Ein etwas ungeschickter Versuch, an den Riesenerfolg des ersten Lindholm-"Tatort" anzuknüpfen. Doch sei es drum: Für sich betrachtet war die Episode dicht und packend erzählt. Das Dorfmilieu mit seinen ureigenen Regeln und Typen war treffend geschildert und die melancholische Moorlandschaft lieferte eine stimmungsvolle Kulisse für die Handlung um Eifersucht und Aberglauben. Das Ermittler-Duo macht neugierig auf Fortsetzungen - aber bitte nicht schon wieder zwischen Hühnerstall und Misthaufen!

aus: NRZ, 14. April 2003

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"25mal das Gleiche in drei Sekunden"

Von Joachim Schmitz

"Ich hab?se gar nicht gemerkt?, sagt Klaus Wahls. Dabei hat der Kfz-Mechaniker aus Mayenburg vier der aufregendsten Wochen seines Lebens hinter sich. Der NDR drehte seinen zweiten Niedersachsen-"Tatort? in Wahls? Dorf und die Filmcrew hatte ihre Wohnmobile auf seinem Grundstück abgestellt und dort manchmal bis sechs Uhr morgens gewirbelt. ?Aber bei 6000 Quadratmetern habe ich?se eben gar nicht gemerkt?, sagt Klaus Wahls. Manchmal aber wollte er etwas merken, dann ist er hingegangen: ?Da konnte man mit jedem reden, auch mit der Furtwängler überhaupt kein Problem?. Am nettesten aber war Lisa Maria Potthoff, die zweite Hauptdarstellerin. ?Die hat sich auch immer mit meinen Kindern unterhalten?. Vier Wochen im letzten Oktober hat das ?Tatort?-Team auf seinem Grundstück und im Dorf ?rumgetobt, das war schon ein Erlebnis?. Mittlerweile wurde der Krimi in der Dorfkneipe vorab gezeigt und fand einhellige Zustimmung. Klaus Wahls hat ?denen morgens immer die Heizung angemacht? und gehörte irgendwie dazu. Sein Vater, seine Frau ? alle tauchen im Film auf, wenn auch nur kurz: Die machen 25mal das Gleiche und im Film sind?s dann drei Sekunden?.
 
Auch Maria Furtwängler erlebt zurzeit Dinge, die sie vor zwei Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte: ?Als kürzlich im Fernsehen ein Innenminister über Polizeiarbeit sprach, habe ich mich bei einem Wir-Gefühl ertappt?, berichtet die blonde Enddreißigerin im Sitzungssaal des Landeskriminalamtes Hannover. Dabei ist die Ehefrau des Verlegers Hubert Burda doch Ärztin, Sängerin ? und vor allem Schauspielerin.
 
Jahrelang enthielt die Filmographie der Münchnerin nur Titel wie ?Herz über Kopf?, ?Herzflimmern? oder ?Das Glück ist eine Insel?, doch mittlerweile kennt sie sich nicht nur im Melodram aus, sondern auch in Niedersachsens höchster Polizeidienststelle. Hier holt sie sich Ratschläge für ihren Job als Fernsehkommissarin Charlotte Lindholm, hier stellt sie den Medien auch ihren zweiten ?Tatort? vor. ?Hexentanz? soll da anknüpfen, wo Furtwänglers Debüt als ARD-Ermittlerin begonnen hatte ? die ?Lastrumer Mischung? als erster niedersächsischer Beitrag zu der ARD-Krimi-Reihe war mit 10, 22 Millionen Zuschauern nicht nur der erfolgreichste ?Tatort? des vergangenen Jahres, sondern sogar der meistgesehene Fernsehfilm überhaupt.
 
Wie der Erstling zeigt auch ?Hexentanz? Niedersachsen von seiner ländlichsten Seite. Endlose Weite, menschenleere Landschaften und ein 120-Seelen-Dorf im Teufelsmoor bei Worpswede vermitteln den Eindruck einer norddeutschen Tundra. Eine Gegend, die der aus Bremerhaven stammende Drehbuchautor Markus Stromiedel aus seiner Jugend und der in München lebende Regisseur René Heisig bislang nur aus der Ferne kannte. Zwar wollte Heisig hier ?niemals? leben, doch vom Dreh ist er ähnlich angetan wie die gesamte Crew: ?Es war großartig, in der Provinz zu arbeiten ? die Begeisterung der Leute, die kurzen Wege, die Hilfsbereitschaft haben es uns sehr angenehm gemacht. Die Feuerwehr ist die echte Feuerwehr, und wenn man mal eine Straße sperren will, muss man nicht erst groß Anträge stellen.?
 
Zu ihrem zweiten Fall wird Charlotte Lindholm aus Hannover in Teufelsmoor abkommandiert, weil sich dort furchtbare Dinge ereignen: Der Lehrer Werner Hellmann, vor 13 Jahren wegen Mordes an seiner Ehefrau verurteilt, kehrt nach der Haftentlassung zurück und wird kurz darauf erschlagen aufgefunden. Immer wieder hatte er beteuert, seine Frau nicht umgebracht zu haben, doch die Zeugenaussagen mehrerer Dorfbewohner hatten die Richter vom Gegenteil überzeugt. Kurz nach seinem gewaltsamen Tod kehrt auch seine Tochter Kirsten (Lisa Maria Potthoff) ins Dorf zurück, um die Wahrheit über das Schicksal ihrer Eltern herauszufinden. Die Kommissarin steht vor einem Rätsel, zumal sie in dem Dorf auf eine Mauer des Schweigens trifft und sich zunehmend mit einem offenbar weit verbreiteten Hexenglauben konfrontiert sieht.
 
Dabei entfaltet der Film auf den Zuschauer eine ähnliche Wirkung wie ein unbedachter Ausflug ins Teufelsmoor. Man wird immer tiefer hineingezogen und kann sich schon bald aus eigener Kraft nicht mehr lösen. Zu den Höhepunkten zählen dabei die Dialoge zwischen den Schauspielerinnen Furtwängler und Potthoff, die dem Krimi klar ihren Stempel aufdrücken. Dagegen verkümmert ?Buck-Muso? Ingo Naujoks? Auftritt als Krimi-Autor, Mitbewohner und mehr oder weniger zufälliger Begleiter der Kommissarin zu einer Nebenrolle.
 
Schon vor der Ausstrahlung des ?Hexentanzes? ist klar, dass Niedersachsen künftig für die ARD zu einem Zentrum des Verbrechens wird. Beim NDR hat man auf die Quote des Furtwängler-Debüts schnell reagiert und strahlt ab sofort zwei statt der zunächst nur einen geplanten Folge pro Jahr aus. Wobei die zuständige Redakteurin Doris J. Heinze betont, dass es nicht jedes Mal zehn Millionen Zuschauer sein müssen: ?Alles, was sich um acht Millionen bewegt, ist schon ein Erfolg für uns?. Auch die Hauptdarstellerin fühlt sich von der Einstiegsquote zwar ?ein wenig unter Druck, aber vor allem beflügelt?.
 
Und noch bevor das Publikum die zweite Folge gesehen hat, ist die dritte schon so gut wie im Kasten: Diesmal wird in Greetsiel gedreht, das im Film dann ?Nordersiel? heißen wird und für Maria Furtwängler einige Überraschungen parat hatte: ?Für mich ist das Mittelmeer ja normalerweise näher als die Nordsee. Da habe ich in Greetsiel zunächst gedacht, man habe den Ort extra für uns so hübsch dekoriert mit seinen Krabbenkuttern im Hafen.?
 
Die TV-Kommissarin kann also noch einiges lernen über ihre neue (Film-)Heimat, und sie kann wahrscheinlich noch lange an ihrer Rolle feilen, was sie als ?großes Glück? und ?Riesenprivileg? bezeichnet. ?Ich will die Charlotte noch konturenreicher machen, ich schnitze noch an ihr herum?. Mit Erfolg, wie Maria Furtwängler auch selbst meint: ?Ich habe das Gefühl, diese Rolle ist wie ein Schuh, der immer besser passt.?
 
Gepasst hat der Schuh auf jeden Fall in Mayenburg. Kfz-Mechaniker Klaus Wahls will sich den Krimi aufnehmen und ?noch mindestens zweimal angucken. Das ist schließlich unsere Gegend hier?. Zum Film aber will er nicht: ?Mit denen vom NDR wollte ich nicht tauschen ? bei dem, was die hier an Stunden gekloppt haben bis morgens um sechs?.

aus: Neue Osnabrücker Zeitung, 12. April 2003

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Tagestipp: Tatort Hexentanz

In einem 120-Seelen-Dorf nahe der Künstlerkolonie Worpswede stinkt es zum Himmel. Nicht nach Mist und Dung, sondern nach einer gemeinen Verschwörung: Zwölf Jahre saß Werner Hellmann wegen des Mordes an seiner Frau im Knast. Nun ist er zurück und will den wahren Täter entlarven. Doch ausgerechnet als das Haus der verwirrten Erika Hinrichs in Flammen aufgeht, wird der herumschnüffelnde Außenseiter mit einem Schürhaken erschlagen. Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler) wundert sich, dass sein Tod niemanden berührt und keiner etwas gesehen haben will. Derweil behauptet die abergläubische Erika, dass eine rachsüchtige Hexe im Teufelsmoor ihr Unwesen treibt. Merkwürdigerweise taucht gerade jetzt Hellmanns Tochter Kirsten auf (Lisa Maria Potthoff). Und auch Dieter Grote, der damals ihre tote Mutter fand, kehrt ins Dorf zurück... In schwermütiger Moorlandschaft hinter dunklen Gehöftmauern offenbart sich eine Familientragödie, die durch kollektive Gewissenlosigkeit verdrängt wurde. Maria Furtwängler agiert mit Scharfsinn und herrlich natürlicher Art. Fazit: Sehr authentisch, tragisch und düster.

aus: TV Spielfilm, 13. April 2003

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Duster- duster ? der Tatort liegt im Teufelsmoor

Von Dirk Dasenbrock

"Tatort": das ist das erfolgreichste Krimi-Fernsehformat Deutschlands. Ganz Deutsch- land ist potenzielles "Tatort"- Land. Ganz Deutschland? Jahrzehntelang kam das gar nicht so kleine Niedersachsen auf der "Tatort"-Landkarte überhaupt nicht vor.
 
Dann kam die "Lastrumer Mischung", und dieses Rezept ging auf: Den ersten "Tatort" mit Maria Furtwängler als Hauptkommissarin Charlotte Lindholm sahen über zehn Millionen Zuschauer. Es war der erfolgreichste Fernsehfilm des vergangenen Jahres.
 
An diesem Sonntag ermittelt die Quoten-Frau zum zweiten Mal. Der Titel: "Hexentanz": Die Geschichte: In ihrem neuen Fall wird Hauptkommissarin Lindholm gleich mit zwei Morden konfrontiert: Werner Hellmann, erst vor kurzem aus der Haft entlassen, wird erschlagen in seinem Haus aufgefunden. Vor Jahren war ihm auf Grund von Zeugen aussagen der Tod seiner Frau Anna angelastet worden. Nach der Verbüßung seiner Haftstrafe tauchte er vor einer Woche wieder in seinem ehemaligen Heimatdorf im Teufelsmoor auf. Mitten in die Ermittlungen der Kommissarin platzt Hellmanns Tochter Kirsten, die über Jahre jeden Kontakt zu ihm verweigert hatte - und bei der Beerdigung ihres Vaters ankündigt, .nun ihrerseits den (oder die) Mörder ihrer Eltern zur Strecke zu bringen. Und so nimmt die Geschichte ihren kriminellen Lauf.
 
Streckenweise duster, duster: Drehbuchautor und Regisseur entwickeln eine dichte Teufelsmoor-Atmosphäre, ohne allerdings die Einheimischen mit zu verteufeln. Diesen Vorwurf mussten sich ja - streckenweise zu Recht - die Macher der "Lastrumer Mischung" gefallen lassen. Allzu dumpf und borniert erschienen da die Einwohner in schöner südoldenburgischer Landschaft.
 
Dem Autor des "Hexentanzes"; Markus Stromiedel, war das zu Ohren gekommen, Darum ist er vor drei Wochen mit dem fertigen Film im Gepäck in das Dorf gefahren, in dem gedreht wurde, und hat ihm im Gemeindesaal des Dorfes gezeigt. Sein Fazit: Es war ein spannender Abend. Die Bewohner von Meyenburg sind wahnsinnig mitgegangen, mit Zwischenrufen, Kommentaren - und beim Bier in der Dorfkneipe wurde der Film bis ins Detail durchdiskutiert." Wilko Jäger, der Dorfschulleiter, ergänzte auf Nachfrage unserer Zeitung: "Doch, da ist eine glaubwürdige und rundum zwingende Geschichte gelungen. Für mich war es nur manchmal schwierig, bei all den vertrauten Dingen eine gewisse Distanz zu bewahren, denn natürlich ist das alles erfunden." Und Jäger weist noch darauf hin, dass Meyenburg schon gar nicht mehr im Moor liegt, sondern (filmische Freiheit) nebenan in der Geest. Und eine Polizeidienststelle habe der Ort natürlich längst nicht mehr. Filmische Freiheit - bei der erfolgreichen Sat1-Krimi-Reihe "Der Bulle von Tölz" geschieht in Oberbayern jede Woche, die der Herr werden lässt, verlässlich ein Mord. Dabei gibt es in Tölz gar keine Mordkommission. Kein Wunder: Der letzte Mord geschah dort real vor knapp 20 Jahren. Filmische Freiheit.
 
Am Sonntag gilt: Ein "Hexentanz" lohnt sich.
 


Oldenburgische Volkszeitung, 12. April 2003

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