Kritiken zu "Stubbe - von Fall zu Fall: Gefährliches Spiel"


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... Das Buch von Markus Stromiedel besitzt ein Anliegen, das der Film allerdings nicht vor sich her trägt. Jeglichen Voyeurismus vermeidend und ?menschlich? bis in die Details , gehört dieser ?Stubbe?-Fall deutlich zu den guten Episoden der beliebten ZDF-Reihe ...

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Stuttgarter Nachrichten:

... Für den Drehbuchautor Markus Stromiedel bestand die größte Herausforderung vermutlich darin, der Brisanz des Themas gerecht zu werden, ohne in jene Mechanismen zu verfallen, die eigentlich angeklagt werden sollen. Letztlich, sagt er, ?hilft an diesem Punkt immer die Rückbesinnung auf den Menschen, auf sein Schicksal. Wenn ich mich wirklich mit den Figuren meines Drehbuches auseinandersetze, wenn ich ihre Not verstehe und mit ihnen fühle, werde ich sie nicht dazu benutzen, sie einfach nur des Effektes willens vorzuführen. Das gilt vorrangig für das Opfer, aber auch durchaus für den Täter. Und auf diesem Weg muss ich den Zuschauer mitnehmen.? Entsprechend behutsam geht der Autor, der auch Jugendromane schreibt, mit dem zentralen Thema um ...

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Ein verantwortungsvoller Themenkrimi

Tilmann P. Gangloff

?Gefährliches Spiel? erzählt von jungen Mädchen, die sich freizügig auf der Website eines Flirtportals präsentieren. Das Buch von Markus Stromiedel besitzt ein Anliegen, das der Film allerdings nicht vor sich her trägt. Jeglichen Voyeurismus vermeidend und ?menschlich? bis in die Details (Überbringung der Todesnachricht; Tante Charlotte ist in eine Alten-WG gezogen) gehört dieser ?Stubbe?-Fall deutlich zu den guten Episoden der beliebten ZDF-Reihe, die mit der zunehmenden Ernsthaftigkeit von Wolfgang Stumph an Profil gewonnen hat.
Die Erkenntnis ist nicht neu, aber immer wieder erwähnenswert: Zeigen ARD oder ZDF eine Dokumentation über ein brisantes Thema, schauen sich das ein oder zwei Millionen Menschen an. Verpackt man das Sujet als Krimi in einer Reihe wie ?Tatort? oder ?Stubbe?, erreicht man im Optimalfall knapp neun Millionen. So viele waren es beim letzten ?Stubbe? im Januar 2012; fast jeder dritte Zuschauer hat den Film eingeschaltet. Die enorme Beliebtheit der Samstagskrimis hat viel damit zu tun, dass sie Geschichten aus dem Leben präsentieren, und das gilt nicht nur für die familiäre Ebene, sondern auch für die Fälle.
 
?Gefährliches Spiel? erzählt von jungen Mädchen, die sich allzu freizügig auf der Website des Flirtportals ?Knuffelzone? präsentieren. Gerade für Eltern kann das von großem Interesse sein, schließlich wissen sie in der Regel nicht, was ihre Kinder im Internet treiben. Wer sich ein wenig mit der Materie auskennt, der ahnt, welche Flirt-Angebote Markus Stromiedel im Kopf hatte, als er sein Drehbuch schrieb; auch beim ZDF macht man keinerlei Hehl daraus, dass der ?Stubbe?-Film ein Anliegen hat. Trotzdem trägt er das Thema nicht vor sich her. Besonders berührt ist man naturgemäß trotzdem, erst recht, wenn man weiß, wie unbefangen und naiv Jugendliche persönliche Daten und intime Fotos preisgeben.
Stromiedel, der auch Jugendromane schreibt, geht äußerst behutsam mit dem Thema um und nähert sich ihm gewissermaßen auf Umwegen: Eine aufreizend gekleidete Schülerin wird tot in einem Hotelzimmer gefunden. Dank ihres Laptops stoßen die Ermittler bald auf die Flirt-Website. Hier tummelt sich auch die beste Freundin des Mädchens, Vanessa (Mascha Gebhardt), und schließlich stellt sich raus, dass beide hinter dem gleichen deutlich älteren Mann her waren, einem Vertreter (Arnd Klawitter), der sich im Internet ?Postman? nennt. Die serienerfahrene Regisseurin Frauke Thielecke, die bei ?Stubbe? ihr Langfilmdebüt feierte, inszeniert den Film ausgesprochen ruhig, fast gelassen. Man merkt der Regie an, dass alle Beteiligten tunlichst vermeiden wollten, womöglichem Voyeurismus Vorschub zu leisten. Für die emotionale Anteilnahme sorgt ohnehin der Hauptdarsteller. Die mittlerweile 17 Jahre alte Reihe ist ja längst so etwas wie eine langlaufende Familienserie, weil die Ereignisse im Hause Stubbe stets nicht weniger wichtig sind als die zu lösenden Fälle. Deshalb genügen Wolfgang Stumph, ohnehin kein Mann der großen Gesten, auch Nuancen, um zu vermitteln, wie es um Stubbe steht. Selbstredend geht ihm als Vater der Tod des Mädchens besonders nahe. Stromiedel und Thielecke gebührt schon allein Lob dafür, dass sie zeigen, wie schwer es Stubbe und seinem Partner Zimmermann fällt, der Mutter die Todesnachricht zu überbringen.
Ungleich besser als in anderen Langlaufreihen (etwa ?Bloch?) ist auch die Integration der privaten Erzählebene gelungen, zumal die Ereignisse im Haus hinterm Deich gleichfalls dazu beitragen, dass Vater Stubbe etwas durch den Wind ist: Tante Charlotte (Margret Homeyer) ist in eine Alten-WG gezogen; dafür ist Tochter Chrissie (Stephanie Stumph), die ihr erstes Baby verloren hat, wieder schwanger. Sehr hübsch sind auch beiläufig eingestreuten Details am Rand: wie sich der Sachse Stubbe freut, als er einen Landsmann trifft; oder wie sich die Kollegen des passionierten Radfahrers regelmäßig um sein Fahrrad kümmern. Angesichts des angekündigten Endes der Reihe sollte man ohnehin jede ?Stubbe?-Minute genießen...

http://www.tittelbach.tv/programm/reihe/artikel-2294.html

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Wenn der Postman zweimal klickt

Die Erkenntnis ist nicht neu: Zeigen ARD oder ZDF eine Dokumentation über ein brisantes Thema, schauen sich das ein oder zwei Millionen Menschen an. Schmuggelt man das Sujet in eine Krimireihe, erreicht man im Optimalfall an die zehn Millionen. Die enorme Beliebtheit gerade der Samstagskrimis mit Wolfgang Stumph als Hauptkommissar Stubbe hat viel damit zu tun, dass sie Geschichten aus dem Leben präsentieren, und das gilt nicht nur für die familiäre Ebene, sondern auch für die Fälle.
 
?Gefährliches Spiel? erzählt von jungen Mädchen, die sich allzu freizügig auf der Website eines Flirtportals darbieten. Gerade für Eltern kann das von großem Interesse sein, schließlich wissen sie in der Regel nicht, was ihre Kinder im Internet treiben. ?Stubbe?-Redakteur Thorsten Ritsch macht keinerlei Hehl daraus, dass der Film ?Gefährliches Spiel? ein Anliegen hat: ?Viele Eltern sind über vierzig und haben keinerlei persönliche Erfahrung mit Chats, sie wissen nicht, was ihre Kinder im Internet überhaupt treiben. Ich war erschüttert, als ich feststellte, dass die Betreiber solcher Chats kaum Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Wenn man sich nachts in solche Chatrooms klickt, wird man feststellen, dass mindestens die Hälfte der männlichen Besucher weit über vierzig ist.? Aus ihrem Alter machten diese Männer keinerlei Hehl, wie man schon an den Namen erkenne (?Netter Opa?). Und auch ihre Motive würden offen angesprochen: ?Alter Mann will spielen?. Die Anbieter solcher Chats sollten nach Ritschs Ansicht ?verpflichtet sein, eine Sicherheitsstufe einzubauen, die verhindert, dass sich 13jährige noch nach Mitternacht in den Chatrooms rumtreiben dürfen.?
 
Für den Drehbuchautor Markus Stromiedel bestand die größte Herausforderung vermutlich darin, der Brisanz des Themas gerecht zu werden, ohne in jene Mechanismen zu verfallen, die eigentlich angeklagt werden sollen. Letztlich, sagt er, ?hilft an diesem Punkt immer die Rückbesinnung auf den Menschen, auf sein Schicksal. Wenn ich mich wirklich mit den Figuren meines Drehbuches auseinandersetze, wenn ich ihre Not verstehe und mit ihnen fühle, werde ich sie nicht dazu benutzen, sie einfach nur des Effektes willens vorzuführen. Das gilt vorrangig für das Opfer, aber auch durchaus für den Täter. Und auf diesem Weg muss ich den Zuschauer mitnehmen.? Entsprechend behutsam geht der Autor, der auch Jugendromane schreibt, mit dem zentralen Thema um. Er nähert sich ihm gewissermaßen auf Umwegen: Eine aufreizend gekleidete Schülerin wird tot in einem Hotelzimmer gefunden. Dank ihres Laptops stoßen die Ermittler bald auf die Flirt-Website. Hier tummelt sich auch die beste Freundin des Mädchens, Vanessa (Mascha Gebhardt), und schließlich stellt sich raus, dass beide hinter dem gleichen Mann her waren, einem Vertreter (Arnd Klawitter), der sich im Internet ?Postman? nennt.
 
Das Internet, erläutert Stromiedel, ?verändert nicht die Menschen im Kern, es verändert die Art und Weise, wie wir mit einander in Kontakt treten, es verändert den Zeitpunkt, an dem bestimmte Dinge passieren. Grenzen, die es vor dem Internetzeitalter noch gab, sind aufgehoben, etwa die, dass junge Mädchen und ältere Männer unbemerkt miteinander in Kontakt treten können. Das gab es immer schon, nur jetzt ist es sehr viel leichter geworden.? Der Film erzähle ja nicht von Pädophilen, sondern von Erwachsenen, die sich in einer gerade noch erlaubten gesetzlichen Grauzone bewegten. ?Dort nutzten sie die emotionale Situation junger Mädchen aus, die auf der Suche sind, die Orientierung oder Bestätigung suchen.? Weil die Mädchen das Gefühl hätten, dem Rollenbild der attraktiven Frau zu entsprechen, und entsprechend selbstbewusst agierten, ?wirken sie immer weniger als Opfer, obwohl sie ausgenutzt werden. Doch unter der Oberfläche bleiben es Jugendliche, die Schutz bedürfen.?
 
Die serienerfahrene Regisseurin Frauke Thielecke, die bei ?Stubbe? 2011 ihr Langfilmdebüt feierte, inszeniert den Film ausgesprochen ruhig, fast gelassen. Man merkt der Regie an, dass alle Beteiligten tunlichst vermeiden wollten, womöglichem Voyeurismus Vorschub zu leisten. Für die emotionale Anteilnahme sorgt ohnehin Hauptdarsteller Wolfgang Stumph: Als Vater geht dem Kommissar der Tod des Mädchens natürlich besonders nahe. Dass Stubbes Haus am Deich vor den Toren der Stadt liegt, passt zu einer weiteren Erkenntnis von ZDF-Redakteur Ritsch: ?Eltern ziehen ja gern aufs Land, weil sie glauben, ihre Kinder vor den Gefahren der Großstadt schützen zu müssen. Im Internetzeitalter kommt die wahre Gefahr jedoch per DSL ins Kinderzimmer. Wir wollen das Internet mit unserem Film nicht verteufeln, aber auf die Gefahren aufmerksam machen, dir dort lauern.?

Stuttgarter Zeitung, 5. Januar 2013

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