Writing-Producing - ist so etwas in Deutschland möglich?

"Desperate Housewifes", "Six feet under", "Lost", "Nip/Tuck", "Ally McBeal" und "Sex and the City" - sechs erfolgreiche US-Serien, die auch in Deutschland für Aufsehen gesorgt haben. Diese Serien haben eines gemeinsam: Sie wurden von denselben Menschen produziert, die sie entwickelt und die die Drehbücher geschrieben haben. Writing-Producer wie Marc Cherry, Alan Ball, Javier Grillo Marxuach, Ryan Murphy, David E. Kelly oder Darren Star konnten und können durch ihre Doppel-Funktion ihre kreative und innovative Erzähl-Idee konsequent bis hin zum fertigen Produkt verfolgen. Das Ergebnis: Serien, die sich unterscheiden vom Einheitsbrei, die originär und originell sind. Und die überaus erfolgreich sind, auch im deutschen Fernsehen.

Dennoch ist bislang in Deutschland das Arbeitsmodell des "Writing Producers" unüblich und wird (oder wurde?) sowohl auf Seiten der Produzenten als auch der Sender mit Skepsis gesehen: Man scheut sich, Autoren die Entscheidungsgewalt über eine Produktion zu überlassen - Autoren gelten als unfähig, die wirtschafliche Seite einer Serienproduktion zu beachten. Die Folge: Serien, die das Immergleiche wiederholen, weil Erfolgsrezepte kopiert werden, Serien, die nicht konsequent erzählt werden, weil nicht selten das Verständnis, die Energie und die kreative Kraft fehlt, die ursprüngliche Idee auch gegen Widerstände durchzusetzen. So entstehen Serien, die vor allem für jüngere Zuschauer immer uninteressanter werden und wenig Neues bieten. Innovative Schübe gibt es nur, wenn von amerikanischen Writing-Producern entwickelte US-Serien neue Standards setzen oder britische Formate das dortige Publikum überzeugen und bei deutschen Drehbuchautoren die Telefone klingeln: "Mach' mir doch mal so was wie..."

Inzwischen gibt es erste Anzeichen für ein Umdenken. Eine Tendenz, die hoffen lässt. Denn eine Serie zu entwicklen ist eine hohe Kunst - und eine echte Herausforderung.